Die Frage kommt regelmäßig.
Manchmal ehrlich interessiert, manchmal mit leicht schräg gelegtem Kopf, manchmal so, als müsste ich mich gleich erklären oder rechtfertigen.
"Warum eigentlich Grüner Sepp?"
Und dann kommt oft direkt der unausgesprochene Subtext mit:
Bio? Moral? Mission? Zeigefinger?
Kurze Gegenfrage:
Die Gründer von McDonald’s hießen Richard und Maurice McDonald.
Aber niemand fragt sie ernsthaft, ob Ronald ihr Sohn ist.
Man akzeptiert einfach, dass Dinge manchmal heißen, wie sie heißen.
Aber gut – ich erzähle es trotzdem.
Einmal ordentlich.
Ohne Dogmatismus.
Ohne Weltrettungsrhetorik.
Und ohne das Bedürfnis, jemanden bekehren zu müssen.
Vorab: Ich bin kein Missionar. Wirklich nicht.
Bevor wir über Farben, Namen und Bedeutungen sprechen, müssen wir etwas klären.
Ich bin kein Moralapostel.
Ich halte niemandem den Teller hoch und frage, ob das jetzt ethisch vertretbar ist.
Ich rechne keine CO₂-Bilanzen vor dem Essen aus.
Und ich schaue niemanden schief an, nur weil er privat etwas anderes isst.
Ich bin – und das meine ich ganz ernst – ein lustiger Mensch mit dem Herz am richtigen Fleck.
Ich koche gern.
Ich versorge gern Menschen.
Und ich glaube, dass Essen leicht sein darf.
Auch dann, wenn es eine Haltung hat.
Ich bin nicht in der Gastronomie groß geworden und habe auch keine klassische Kochlaufbahn hinter mir.
Mein Weg war eher ein Umweg: Studium, Ausprobieren, Arbeiten, wieder neu denken.
Ich habe gelernt, dass Theorie hilfreich ist, aber Praxis gnadenlos ehrlich.
Dass man Dinge nicht perfekt planen kann, sondern anfangen muss.
Vielleicht kommt daher auch meine Abneigung gegen Dogmatismus – im echten Leben funktioniert der selten.
Der Grüne Sepp ist nicht aus einem Masterplan entstanden, sondern aus Erfahrung, Bauchgefühl und einer guten Portion Pragmatismus.
Woher das "Grün" wirklich kommt (Spoiler: ziemlich unspektakulär)
Fangen wir mit dem wichtigsten Missverständnis an.
"Grün" ist kein politisches Statement.
Es ist kein Parteibuch.
Es ist keine Weltanschauung.
Und ganz sicher kein erhobener Zeigefinger.
Das Grün kam ganz banal daher, wo es herkommt: aus der Implikation, dass der Foodtruck von Anfang an rein vegetarisch und vegan gedacht war.
Nicht als Trend.
Nicht als Provokation.
Sondern einfach als klare Entscheidung.
Und ja: Grün steht natürlich auch für Frische, für Leben, für etwas, das nicht schwer im Magen liegt – weder kulinarisch noch moralisch.
Mehr Symbolik war da anfangs ehrlich gesagt nicht geplant.
Grün in Bayern: Mutig, dumm oder beides?
Man darf an der Stelle aber ruhig ehrlich sein: Grün ist in Bayern keine risikolose Farbe.
Vor allem nicht im tiefschwarzen Bayern.
Und spätestens seit der Ampel-Koalition ist Grün für manche Menschen ungefähr so sympathisch wie eine vegane Weißwurst.
Das war mir bewusst.
Und es war mir – um ehrlich zu sein – auch ein bisschen egal.
Denn:
- Ich wollte keinen Konsensnamen.
- Ich wollte nichts Glattes.
- Ich wollte keinen Namen, der allen gleichzeitig gefällt.
Wenn ein Name schon aneckt, dann bitte leise, humorvoll und mit Augenzwinkern.
Und genau das macht "Grüner Sepp" bis heute.
Die Namensfindung: nicht strategisch, aber sehr ehrlich
Die Namensfindung war übrigens keine Agenturleistung.
Kein Workshop.
Kein Markenprozess mit Post-its in Pastellfarben.
Sie fand statt:
- mit meiner Partnerin
- an einem Tisch
- mit Bier und Wein
- und trotzdem – ganz vorbildlich – mit einer Mindmap
So, wie man es im Studium lernt.
Und danach im echten Leben fast nie wieder macht.
In der Mitte stand irgendwas wie:
"Essen. Foodtruck. Eigenes Ding."
Drumherum:
- vegetarisch
- unkompliziert
- ehrlich
- bayerisch
- grün
- Sepp
"Sepp" war relativ schnell klar.
Bodenständig.
Nicht geschniegelt.
Kein Schickimicki.
Und irgendwann lag dieses Wort da: grün.
Nicht groß gedacht.
Nicht ideologisch.
Einfach passend.
"Grüner Sepp."
Kurze Stille.
Ein Nicken.
Ein Grinsen.
Noch ein Schluck.
Fertig.
Warum der Name geblieben ist
Viele Ideen fühlen sich im Moment gut an.
Die meisten davon fühlen sich später peinlich an.
Dieser Name nicht.
Nicht, weil er perfekt war.
Sondern weil er nicht falsch war.
Er war:
- merkbar
- eigenständig
- ein bisschen sperrig
- nicht austauschbar
Und vor allem: Ich musste mich ihm nicht anpassen.
Ich konnte einfach ich bleiben.
Und genau deshalb hat der Sepp im Grüner-Sepp-Logo auch so einen riesigen Zinken.
Kein glattgebügeltes Maskottchen.
Keine Werbefigur.
Sondern ein Charakterkopf.
So wie ich halt auch keiner bin, der sich ständig kleiner macht, damit alles hübsch aussieht.
"Grün" heißt bei mir nicht perfekt, sondern bewusst genug
Ich habe nie behauptet, dass hier alles die Welt rettet.
Ich verspreche keine Erlösung zwischen zwei Brötchenhälften.
Und ich glaube nicht an kulinarische Heilsversprechen.
Was ich glaube:
- Essen darf Spaß machen
- Konzepte dürfen Haltung haben
- Genuss muss nicht kompliziert sein
Grün heißt bei mir: ein bisschen mehr nachdenken als nötig – aber nicht so viel, dass der Spaß verloren geht.
Und ja: Das schließt Widersprüche ein. Und die darf man aushalten.
Warum mich die Frage trotzdem jedesmal amüsiert
Je länger es den Grünen Sepp gibt, desto mehr amüsiert mich diese Frage.
Niemand hinterfragt:
- warum Konzerne Fantasienamen tragen
- warum Fast-Food-Ketten Clowns als Maskottchen haben
- warum Marken heißen, wie sie heißen
Aber bei einem kleinen, persönlichen Projekt wird plötzlich Sinnsuche betrieben, als müsste man es philosophisch rechtfertigen.
Vielleicht, weil der Name ehrlich wirkt.
Vielleicht, weil er nicht nach Agentur klingt.
Vielleicht, weil er nicht glatt ist.
Oder vielleicht einfach, weil Grüner Sepp hängen bleibt.
Der Name ist kein Konzept. Er ist Persönlichkeit
Der Grüne Sepp ist nicht entstanden, weil jemand einen Markt analysiert hat.
Er ist entstanden, weil zwei Menschen zusammensaßen, lachten, tranken und ehrlich überlegten, was zu ihnen passt.
Der Name ist:
- kein Dogma
- kein politisches Statement
- kein Zeigefinger
Er ist ein Stück Persönlichkeit.
Und genau deshalb genau richtig.
Und falls du dich jetzt immer noch fragst, warum er so heißt – kein Problem.
Beim Essen vergisst man die Frage meistens sehr schnell.
